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Das Interview: Hans Jürgen Rabenstein über Aufgaben und Bedeutung des Kreisseniorenbeirats Osterholz
Herr Rabenstein, in einer Broschüre zum zehnjährigen Bestehen des Kreisseniorenbeirats schreiben Sie, dass die älteren Menschen durch das Gremium die Möglichkeit haben, sich sichtbar zu machen und sich Gehör zu verschaffen. Ist Ihnen das gelungen?
Hans Jürgen Rabenstein: Ich denke, Sie können es schon daran sehen, dass zu unserem zehnten Geburtstag bis auf einen alle Bürgermeister bei uns waren. Natürlich spiegelt sich daran auch die Wertschätzung der jeweiligen Gemeinden gegenüber ihren tätigen Seniorenbeiräten. Der Worpsweder Bürgermeister Stefan Schwenke hielt damals die Begrüßungsrede. Er gestand ein, dass er zuerst gegen die Gründung von Seniorenbeiräten gewesen sei. Doch er habe seine Meinung geändert. Jeder Gemeindeseniorenbeirat entsendet zwei Vertreter in den Kreisseniorenbeirat. Die besprochenen Themen werden also wieder in die Gemeindeebene getragen. Auf Landesebene gibt es dann noch den Landesseniorenrat, dessen Anregungen nehmen wir natürlich auch mit.
In welchen Bereichen konnten Sie sich besonders sichtbar machen?
Man muss immer unterscheiden zwischen den Aufgaben des Kreisseniorenbeirates und der Seniorenräte der Gemeinden. Auf Kreisebene haben wir beispielsweise bei der Einrichtung des Pflegestützpunktes hinter den Kulissen mitgespielt. Da konnten wir einiges erreichen. Wir haben aber auch Umfragen gestartet zum betreuten Wohnen: Wie sieht es in den Wohnheimen aus? Großen Umfang hat die Pflege unseres Kontaktes zu den Vertretern aus dem polnischen Kwidzyn angenommen. Wir besuchen und werden besucht von Frauen und Männern, die dort in sozialen Einrichtungen tätig sind. Unsere polnischen Freunde waren dermaßen vom Kreisseniorenbeirat angetan, dass sie dort auch einen Seniorenbeirat gründeten. Ansonsten tauschen wir auf Kreisebene viele Ideen untereinander aus.
Als da wären?
Ein Beispiel sind die Mehrgenerationenplätze: Eine Gemeinde hat sie schon, warum ist das nicht auch in meiner Gemeinde möglich? Wünsche werden geweckt und in die eigene Gemeinde getragen. Auch mit dem Musterhaus in OHZ haben wir zusammengearbeitet, insbesondere während der Entstehungsphase, und zusammen mit den Seniorenbegegnungsstätten haben wir die Wohnberatung vorangetrieben. Vor Corona trafen wir uns viermal im Jahr, um unseren Austausch zu pflegen. Zusätzlich steht Immer ein Vortrag an, gehalten von einer externen Person. Das Thema soll möglichst so sein, dass daraus Anregungen für die Arbeit in den Gemeinden abfallen. Die eigentliche Arbeit findet dann also auf der Gemeindeebene statt. Im Sport- und im Sozialausschuss sind wir ohne Stimmberechtigung Mitglied. Dadurch gewinnen wir in diesen Bereichen auch Übersicht und berichten darüber.
Gab es in Ihrer Amtszeit denn auch einen Misserfolg?
Wir wurden schmerzhaft durch Corona gebremst. Im Mai des vergangenen Jahres wollten wir eine überregionale Tagung mit dem Thema „Digitalisierung der Pflege“ machen. Wir wollten dazu viele Gäste einladen. Sie können sich vorstellen, dass die ganze Arbeit vernichtet wurde. Ich selbst habe viel Herzblut in die Aufsuchende Altenarbeit investiert: Eine von der Gemeinde angestellte Kraft versucht, isoliert lebende Menschen zu finden und sie wieder ein wenig in das Leben zu holen. Das mussten wir durch die Flüchtlingswelle 2015 erst einmal nach hinten stellen. Aber Aufsuchende Altenarbeit kostet Geld und Ressourcen. Es ist ja anzunehmen, dass die Gemeinden finanziell unter Corona leiden werden. Unter diesen Umständen wir natürlich niemand sagen: „Komm, wir machen das jetzt mal!“ Dabei ist diese Arbeit sehr wichtig. Wir haben ja viele Menschen, die man nicht sieht, die isoliert sind. Früher gab’s wenigstens noch den Postboten, der nach dem Rechten schaute. Was mir in diesem Zusammenhang noch wichtig ist: Ich werde immer wieder darauf angesprochen, dass sich die älteren Menschen Treffpunkte wünschen, wo sie vielleicht auch ohne in einem Verein zu sein einfach einmal hingehen können, um ihre Einsamkeit zu lindern. Lilienthal hat so was und Osterholz-Scharmbeck auch.
...das heißt, es fehlen Begegnungsmöglichkeiten vor Ort?
Ja, genau. Das würde ich mir sehr wünschen, dass alle Orte so etwas bekommen, sofern sie diese nicht haben.
Wo steht der Kreisseniorenbeirat jetzt?
Er ist etabliert und er wird gehört. Wenn wir Wünsche, zum Beispiel für unsere Zusammenarbeit mit unserem Partnerkreis Kwidzyn haben, kommt uns der Landkreis entgegen. Und zwar immer im Rahmen seiner Möglichkeiten. Man muss natürlich sagen, dass wir praktische Dinge nicht allzu oft brauchen. Auf der anderen Seite helfen wir, wenn uns der Landkreis um etwas bittet – zum Beispiel, wenn es um die Beteiligung an Ausstellungen geht.
Hat sich seine Struktur bewährt?
Man kann die Kreis- und Gemeindeebene nicht isoliert sehen. Das ist so etwas wie ein Konglomerat: Es gibt zwischen beiden einen regen Austausch. Dies gilt auch für die Seniorenbeiräte mit der örtlichen Politik und Verwaltung. Wie ein Seniorenbeirat sein kann, sieht man sehr schön in Ritterhude. Dort sind Verkehrskonzepte für die Zukunft entwickelt worden, an denen wir beziehungsweise der Seniorenbeirat der Gemeinde mitgewirkt haben. Auch an den weiteren Planungen zu den Bebauungen sind wir beteiligt. Wir haben schon Spuren hinterlassen, etwa durch unsere Beteiligung an einem erfolgreichen Bürgerentscheid vor zehn Jahren.
Was für Wünsche und Ideen haben Sie? Was glauben Sie, sollte oder muss noch verwirklicht werden?
Was mir noch am Herzen liegt, ist einmal das Thema Stiftung, das Thema Vererben. Es gibt viele alte Menschen, die Vermögen haben, jedoch keine Familie mehr, weil zum Beispiel die Ehe kinderlos geblieben ist. Hier bietet sich die Möglichkeit, das Vermögen einzusetzen, um zum Beispiel eine Begegnungsstätte zu errichten, die den Namen des Stifters trägt. So wird der Name auch in 50 Jahren noch ehrenvoll genannt. Ein weiteres Thema ist die Mobilität. Immer mehr Menschen fallen ja in diese ältere Kategorie. Was sicherlich in Zukunft auch eine Rolle spielt: Die Renten werden wieder fallen. Dies versetzt die Verantwortlichen in Zugzwang, günstige Wohn- und Gemeinschaftseinrichtungen zu errichten. Wir werden uns auf diese neuen Rahmenbedingungen einstellen müssen.
Das Interview führte Ulf Buschmann.
